Auf dieser Seite finden Sie allgemeine Judoinfos sowie eine kleine Technikerklärung, erhalten Infos über die Geschichte des Judo, sowie zur Ausbildung eines Judoka.
Judo (wörtlich = sanfter Weg) (auch übersetzt mit dem Wortsinn von engl.: gentle = sanft, edel, vornehm) ist eine japanische Kampfsportart, deren Motto „Siegen durch Nachgeben” ist. Der Begründer ist Professor Dr. Jigoro Kano. Judo/Jiu-Jitsu-Vorläuferformen wurden Anfang des 20. Jahrhunderts für den Wettkampf angepasst. Es wurden alle gefährlichen Techniken entfernt, um aus einer Kunst bis dahin vorwiegend zur Selbstverteidigung, ein ganzheitliche Lehre für Körper und Geist zu machen. Die verbliebenen Techniken sind hauptsächlich Würfe, Halte- und Würgetechniken sowie Armhebel.Judo ist nicht ausschließlich ein Weg der Leibesertüchtigung, sondern darüber hinaus auch eine Philosophie zur Persönlichkeitsentwicklung. Zwei philosophische Grundprinzipien liegen dem Judo im Wesentlichen zugrunde:
1. Das gegenseitige Helfen und Verstehen zum beiderseitigen Fortschritt und Wohlergehen.
2. Der bestmögliche Einsatz von Körper und GeistZiel ist es, diese Prinzipien als eine Haltung in sich zu tragen und auf der Judomatte bewusst in jeder Bewegung zum Ausdruck zu bringen.
Jigoro Kano
Die Judo-Techniken lassen sich grob in 4 Grundtypen einteilen:
· Nage Waza – Wurftechniken:
Wurftechniken werden angewandt um den Partner vom Stand in die Bodenlage zu bringen. Es existiert eine Vielzahl von Möglichkeiten dieses Ziel zu erreichen. Dabei reicht die Auswahl vom einfachen Bein stellen (O-soto-otoshi) bis hin zu spektakulären Aushebern (Kata-guruma) oder auch dem klassischen Überkopfwurf (Tomoe-nage), der in vielen Hollywood Actionfilmen wiederzufinden ist. Man unterteil in Te-Waza (Handwüfe), Ashi-Waza (Fußwürfe), Goshi-Waza (Hüftwürfe) und Sutemi-Waza (Selbstfallwürfe).
Die ersten Würfe, die die Anfänger des WTV lernen sind die Würfe für die Prüfung zum weiß-gelben Gürtel. Anschließend - nachdem sich die Fallschule durch häufiges Üben verbessert hat - werden komplexere und wettkampfrelevantere Techniken eingeübt.
· Katame Waza – Bodentechniken
1. Osae-komi-waza (Festhaltetechniken) Mit Haltetechniken wird der geworfene Partner in der Rückenlage am Boden fixiert. Werden sie gut ausgeführt ist es, selbst mit speziellen Befreiungstechniken, sehr schwierig sich aus diesen zu befreien. Man teilt die Haltetechniken in vier Gruppen ein: Kesa-gatame, Yoko-shiho-gatame, Kami-shiho-gatame und Tate-shiho-gatame.
Die Festhaltetechniken gehören zu den ersten Techniken die neue Judoka im WTV lernen, da sie vergleichsweise weniger komplex und gänzlich ungefährlich sind.
2. Kansetsu-waza (Hebeltechniken) Hebeltechniken werden im Judo nur auf den Ellenbogen angewandt, wobei kontrollierter Druck auf das Gelenk aufgebracht und der Partner zugleich fixiert wird. Die Bewegung entgegen der anatomisch vorgesehenen Bewegungsrichtung führt zu einem stechenden Schmerz, welcher den Partner zur Aufgabe zwingt. Das signalisiert er durch Abklopfen, d.h. dem Klopfen mit der flachen Hand auf die Matte oder auf den Partner oder durch den Ausruf von "Maitta", wenn man z.B. keine freie Hand hat. Man unterscheidet zwei Arten von Hebeltechniken: Streckhebel (Gatame-Gruppe) oder Beugehebel (Garami-Gruppe).
Obwohl diese Technikgruppe gefährlich klingt, gibt es dabei sehr selten Verletzungen: Erfahrene Judoka wissen wie weit sie gehen dürfen - sowohl im Versuch sich aus einem Hebel herauszuwinden, als auch beim Hebeln selbst. Im Kinderbereich sind diese Techniken verboten, da die meisten Kinder zu wenig Erfahrung haben, um zu wissen, wie viel Kraft aufgewendet werden darf, oder wann sie aufgeben müssen.
Die Judoabteilung des WTV trainiert Hebeltechniken unter den wachen Augen der Übungsleiter bereits ab dem weiß-gelben Gürtel.
3. Shime-waza (Würgetechniken) Bei den so genannten "Würgern" wird mit speziellen Techniken mit den Händen oder den Unterarmen Druck auf die seitlich des Kehlkopfes verlaufende Halsschlagader ausgeübt. Durch die daraus resultierende Minderversorgung des Gehirns mit Sauerstoff entsteht beim Gewürgten der Eindruck zu wenig Luft zu bekommen. Andere Techniken (Hadaka-Jime) greifen die Luftröhre an und hindern so den Angegriffenen am Atmen. Daher werden diese Techniken als Würgetechniken bezeichnet.
Auch hier wird durch Abschlagen aufgegeben. Im Wettkampf lassen sich Würger häufig wesentlich schlechter platzieren als Hebel- oder Haltetechniken, da sich der Hals mit den eigenen Händen bzw. Unterarmen relativ gut schützen lässt.
Der WTV beginnt mit dem Training der Würgetechniken erst mit fortgeschrittenen und verantwortungsbewussten Judokas.
· Ukemi Waza – Falltechniken
Um sich bei den Würfen nicht zu verletzen müssen alle Judoka Falltechniken erlernen. Dabei werden Techniken geübt, so zu fallen, dass man sich dabei nicht verletzt. Das Fallen wird nach allen Seiten trainiert: Seitwärts (Yoko-ukemi; nach rechts und links), rückwärts (Ushiro-ukemi) und nach vorn (Mae-ukemi). Die Falltechnik vorwärts ist auch als "Judorolle" bekannt. Träger höherer Gürtelgrade trainieren sie als "freien Fall" in der Luft.
Den Falltechniken gilt am Anfang des Trainings im WTV oberste Priorität.
· (Ate Waza - Schlagtechniken (Nur in Kata))
Schlagtechniken werden heute nur noch in Form von Katas weitergegeben und sind das Erbe aus dem japanischen Ju-Jutsu.
Die Geschichte des Judo:
An der Kaiserlichen Universität in Tokio unterrichtete gegen Ende des 19. Jahrhunderts der deutsche Medizinalrat Erwin Bälz. Ihm fiel die schwache Konstitution seines Studenten Kano auf, weshalb er ihm empfahl, zur Stärkung die alten Samuraitechniken zu üben. Diese Geschichte, nach der Bälz letztlich der Auslöser für das Üben der alten Samuraitechniken war, wird oft erzählt, ist jedoch nicht bewiesen.
Einer seiner Schüler, der junge Jigoro Kano, übte bei verschiedenen letzten alten Meistern der Kampfkunst, hauptsächlich Kito-Ryu und Tenjin Shinyo-ryu Jujutsu. Aus den dort erlernten Techniken entwickelte er 1882 das moderne Judo, indem er die alten Jujutsu-Stile von gefährlichen Elementen befreite. Stöße, Schläge, Tritte und viele Hebeltechniken, insbesondere die Kleingelenkhebel, wurden ersatzlos gestrichen oder in die Kata integriert. Die verbleibenden Techniken ermöglichten einen sportlichen Zweikampf, ohne dass größere Verletzungen zu befürchten waren. Diesen neuen Sport nannte er "Judo", zu deutsch: "sanfter" oder "edler Weg.
Kano gründete 1882 eine eigene Schule, den Kodokan ("Ort zum Studium des Weges", heute in Tokio), an der er seinen neuen Sport lehrte. Auch heute noch ist der Kodokan das "Mekka" des Judo.
Judo setzte sich in Japan allerdings erst durch, als die Schüler Kanos (zuvor Ju-Jutsu Praktizierende) im Jahre 1886 einen regulären Kampf zwischen der Kodokan-Schule und der traditionellen Jujutsu-Schule "Ryoi-Shinto Ryu" für sich entscheiden konnten. Aufgrund dieses Erfolges verbreitete sich Judo in Japan rasch und wurde bald bei der Polizei und der Armee eingeführt. An den höheren Schulen in Japan gehört Judo zusammen mit Kendo zu den Wahlpflichtfächern.
Ausbildung:
Die Judoka tragen eine knöchellange weiße oder blaue Baumwollhose (Zubon) und darüber eine halblange weiße oder blaue Jacke (Uwagi) aus Baumwolle, die durch einen farbigen Gürtel (Obi) zusammengehalten wird (Judo-Gi). Eine Farbkombination zu tragen wird nicht gern gesehen und ist bei Wettkämpfen meistens verboten, jedoch dürfen bei einigen Wettkämpfen die Mannschaften in Vereins- bzw. Landesfarben auftreten. An der Gürtelfarbe kann man den Ausbildungsstand des Judoka erkennen, diese ist allerdings eine relativ moderne Entwicklung, wohingegen in Japan nur weiße (Schüler) und schwarze (Meister) Gürtel existieren. Auch muss hier beachtet werden, dass die Prüfungen nicht Pflicht sind. Ein Judoka mit einem niedrigen Gürtelgrad kann durchaus über ein beachtliches Wissen und Können verfügen. Jeder Anfänger beginnt mit einem weißen Gürtel. Nach entsprechender Trainingszeit kann er eine Prüfung vor einer Prüfungskommission ablegen. Der Prüfling demonstriert einfache Falltechniken und Techniken mit einem Partner (je nach Höhe der Graduierung mehr oder weniger schwierig). Für die erste Prüfung muss der Anfänger zumindest zwei verschiedene Würfe, zwei Falltechniken und zwei verschiedene Kombinationen am Boden zeigen. Nach abgelegter Prüfung erhält der Prüfling das Recht und die Pflicht den entsprechenden Gürtel zur Judokleidung zu tragen.
Seit dem 01.08.2005 gilt in Deutschland die einheitliche Kyuprüfungsordnung des DJB, nach der zusätzlich in jeder Gürtelprüfung ab dem 3. Kyu (grüner Gürtel) eine Kata vorgeführt werden muss, d.h. eine genau vorgeschriebene Abfolge von Bewegungsformen und Techniken. Das Kata-Training führt häufig zu einem noch besseren Beherrschen der jeweiligen Techniken, da auf eine absolut saubere Ausführung der jeweiligen Technik geachtet wird. Es gibt Boden- und Stand-Kata.

